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SpurenSuche 2


Ein vor fast 80 Jahren geschriebener Text, geht mir derzeit nicht aus dem Sinn:


„Die Unfähigkeit der Staatsmänner, die dem modernen Menschen so grauenhaft und blutig auffällig geworden ist, liegt im Wesentlichen an ihrer menschlichen Unzulänglichkeit, d.h. ihrer moralisch unterminierten seelischen Struktur, die zu völligem Versagen in allen wirklichen Entscheidungen geführt hat. Späteren Zeiten wird die Tatsache, dass die führenden Staatsmänner in keiner Weise auf ihre menschlichen und moralischen Qualitäten hin geprüft worden sind, ebenso grotesk vorkommen, wie es uns heute grotesk erschiene, wenn man einen Diphterieträger zum Leiter einer Säuglingsstation machen würde.“ (Erich Neumann, Tiefenpsychologie und neue Ethik, 1949)


Was hier unter dem unmittelbaren Eindruck des 2. Weltkrieges und der wachsenden atomaren Bedrohung geschrieben wurde, ist brennend und erschütternd aktuell…

 


Ich erinnere mich nicht mehr, woher ich den kleinen Zettel hatte, der bei mir lange Jahre an meiner Pinnwand gehangen hat - ein kleiner, witziger Cartoon mit dem Text: „Mir nach! Ich weiß auch nicht, wo es lang geht.“ Wie kann es sein, dass wir Menschen so oft und so katastrophal in die Irre gehen – auch bei ehrlich gemeint guten Absichten?

 

Ein Bild hilft mir, das Dilemma ein wenig besser zu verstehen: Wir alle leben mit unseren persönlichen „Landkarten“. Wir machen uns unaufhörlich Bilder, sind pausenlos mit unserer Sicht der Dinge beschäftigt und merken dabei oft nicht, dass wir unsere Landkarten – die oft kaum zuverlässiger sind als historische Landkarten, auf denen wir heute selbst Kontinente kaum wiedererkennen – mit der realen Landschaft um uns herum verwechseln. Das kann fatale Folgen haben…

 

DIE LANDKARTE

Da auf seiner Landkarte

der richtige Weg

verzeichnet war,

trat er ohne Zögern

hinaus in den Abgrund.

Rief noch im Sturz:

Mir nach!

Dies ist der Weg!

Wie oft

trauen wir

unseren            

Vorstellungen

Überzeugungen,

Ideologien

mehr

als der Wirklichkeit!?


Wie lassen sich Wahrheit und Wirklichkeit von Täuschungen jeder Art unterscheiden? Diese Frage stellt sich nicht erst im Zeitalter der KI und der Fake-News. Die „Unterscheidung der Geister“ ist ein genauso grundlegendes wie immerwährendes Thema, das - angefangen von der Bibel - alle großen Lehrerinnen und Lehrer des geistlichen Lebens beschäftigt hat.

Unsere Landkarten wollen unaufhörlich weiterentwickelt und korrigiert werden. Das braucht offene Augen, Hör- und Lernbereitschaft und ein offenes Herz. Landkarten sind bestenfalls Annäherungen an die Wirklichkeit und zeigen Landschaften und damit bestenfalls die Möglichkeiten eines Weges auf, gewiss aber keinen „richtigen Weg“. Der Weg, mein ganz persönlicher Weg, entsteht nur, indem ich ihn gehe….


 

OHNE GELÄNDER

Irgendwann

musst du

alle Vorbilder

alle Entschuldigungen

alle Sicherheiten

fahren lassen

und

ohne Geländer

ohne Wegweiser

ohne Landkarte

gehen wo

kein Weg ist

- NUR DEIN WEG …

 

Den Kompass dazu tragen wir in uns: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16)

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