SpurenSuche 6
- Sr. Emmanuela
- 20. Mai
- 2 Min. Lesezeit

"Du mächtger Hauch, unerschaffne Glut, Geist des Herrn, gib du uns neuen Mut..." (GL 348,4) Ich erinnere mich noch gut daran... Mit 17 Jahren, als mich die Frage nach meinem persönlichen Glauben bewegte, fragte ich mich, wo ich überzeugende Vorbilder finden könnte, was der Glaube denn mit einem Menschen macht, und dachte: "Nun so ein junger Kaplan mit 25 Jahren hat es ja leicht begeistert zu sein, aber was ist später? Wie ist das mit so einem Pastor, der über 40 Jahre alt ist (was mir damals sehr alt vorkam 😉)? Brennt bei dem das Feuer noch?"
Als ich dann selbst auf die 40 zuging, beschäftigte mich dies wieder sehr: "Brennt bei mir das Feuer noch?" Ja, es brennt bis heute, mal lichterloh, mal eher als stille Glut, die übrigens viel heißer ist als die Flammen...

In derselben Zeit als Teenager beschäftigte mich die Frage nach dem Heiligen Geist und ich stieß auf einen Text, der mich seither begleitet und der mich immer noch fasziniert. Hier einige Ausschnitte daraus:
Ich möchte einen Weisen finden,
möchte eine Zeitlang sein Leben mitleben,
in seinen Augen und Händen und seiner Welt lesen,
möchte ihn fragen dürfen
-nicht jene unbeteiligten,
gierigen Reporterfragen,
nein, meine drängenden, schweren,
nie aufgegebenen Kinderfragen:
Welchen Traum
hast du nie aufgehört zu träumen?
Wo würdest du noch einmal
dein Leben wagen und verlieren wollen?
Welche Wunden im Herzen unserer Welt
verwunden dein Herz? ...
Viel habe ich über dich gelesen,
den man Geist Gottes nennt: ...
Was haben wir getan,
als wir dir unser Leben nahmen,
von ihm abstrahierten
und dich zur Idee erstarren ließen?
Aber du nahmst uns nicht dein Leben,
Gottes langer Atem in uns,
Gottes Hoffen,
das uns nicht zerfallen
und zerbrechen lässt,
Gottes Hingabe an uns,
die uns nicht aufgeben lässt. ...
Bist du die Sehnsucht meiner Liebe,
das Staunen meiner Augen,
das wortlose Weinen
meines verwundeten Herzens? ...
Wir können deinen Geist auslöschen bei uns, Gott ...
bis zur Unkennlichkeit entstellen und vermauern,
aber wir können dir nicht
die Glut deiner Hingabe nehmen.
Denn einmal ist es geschehen,
dass dein Hingeben
und unser Hingeben übereinkamen,
als Jesus dir sein Leben überantwortete
und du ihm das deine.
Sein Geist ist der deine
und der deine offen für uns.
Mach uns lebendig durch dich,
mach uns mutig für dich,
mach unsere Welt neu,
denn sie wurde und ist und wird sein
Geheimnis deiner Liebe.
(aus: Drutmar Cremer (Hg.), Sing mir das Lied meiner Erde. Bitten um den Geist, Würzburg 1978, S. 9-12)




Kommentare